// Me against The Man [updated, updated again, and again, and... again! update bloody update]
# 9 to 5 # Anwälte # BS # Depression # Health # Law & Order # Negotiate # Negotiation # Pissnelken # Politricks # Seele # Soul # Talk Talk # The Daily Grind # The Man # Verhandeln # Verhandlung # Work
Hm, eigentlich ist es nur me against einen kleinen scheißladen, für den ich mal gearbeitet habe, aber momentan wächst mir das alles ein wenig über den Kopf. Wo bin ich da nur wieder rein geraten? Aber ich fange vielleicht lieber mal von vorne an…
Ich habe also wie gesagt für diese Firma gearbeitet. 2,5 Jahre. Die ersten 6 Wochen waren super, denn obwohl ich nicht groß eingearbeitet wurde, was dort eh unüblich war (und ist), war ich einfach nur froh, nach 4 Monaten Arbeitslosigkeit, wieder arbeiten zu dürfen. Alles stimmte, gutes Geld, massig Urlaubstage, und vor Allem die Tatsache, daß ich sehr selbstständig meiner Tätigkeit nachgehen konnte. Zumindest 6 Wochen lang…
Denn dann habe ich wohl irgendwas falsch gemacht. Kann mich nicht mehr erinnern, worum es ging, aber passiert ja schon mal, daß man Fehler macht. Habe gehört Menschen lernen so.
Aber nicht jeder ist der Meinung, daß so etwas zum Prozess des Lebens und Sichweiterentwickelns dazugehört. Manche Menschen gehen immer davon aus, daß andere Menschen grundsätzlich nur darauf aus sind, ihnen absichtlich Schwierigkeiten zu bereiten…
So auch mein damaliger Vorgesetzter. Anstatt ruhig und sachlich zu besprechen, was denn schief gelaufen wäre, und wie man so etwas in Zukunft vermeiden könnte, wurde einfach gemeckert, geschrien, getobt. Und ich nur so “nooooooooooooooooooooooo”. Weil ich etwas Ähnliches in dem Job davor schon einmal mitgemacht hatte…
Am nächsten Tag war wieder alles gut, zumindest für ihn. Ich aber habe diesen Moment nie vergessen, und es sollte auch keinesfalls bei diesem einen Moment bleiben. Denn schnell lernte ich, daß so die normale Handhabe in diesem Betrieb aussah. Kollegen taten es zunächst mit einem lapidaren “musst dir nichts bei denken, der ist halt so” ab, die Stimmung war aber dennoch nicht nur bei mir auf dem Nullpunkt. Und sie war auch nicht nur in diesem einen Moment dort so.
Ich will nicht sagen daß alles schlecht war. Ich hatte wirklich jede Menge Freiheiten, besonders als ich nach einem Jahr nach Frankfurt versetzt wurde. Weit weg vom Chef schien es wieder ganz gut zu laufen. Und auch sonst hatte ich immer wieder Phasen, wo es einfach lief. Weil man mich machen ließ. Und ich auch schnell lernte, wie was erledigt werden musste, damit es keine Probleme gibt.
Bloß leider hörte das Gemecker, Geschrei und Getobe nie auf. Immer wenn ich gerade einigermaßen zufrieden war kam wieder etwas. Man wusste nie vorher, wann es passieren sollte, es kam immer auf die Tagesform des Vorgesetzten an. Die im Allgemeinen sowieso selten gut war, sprich man hat eh so gut wie nie etwas Positives zu hören bekommen. Entweder war Ruhe, das hieß dann “Alles roger, Roger!”, oder es war Katastrophenalarm. Und damit meine ich halt richtig Alarm, Def Con One type shit, nicht Alarm Beige oder so.
Dazu kam noch, daß ich jeden Tag anderthalb Stunden mit Bus und (S-)Bahn von Wiesbaden nach FFM pendeln musste. One way. Das heißt anderthalb Stunden hin, anderthalb zurück. Jeden fucking Tag. Ein Jahr habe ich das mitgemacht, dann war meine langjährige Beziehung futsch, und meine Nerven ebenfalls. Ich habe wirklich einen Totalschaden erlitten, konnte nicht vor und nicht zurück. Schon damals wurde mir langsam bewusst, daß ich dringend etwas ändern musste.
Allerdings hatte ich nicht die Kraft, Wohnsitz UND Job zu wechseln. Also “Small moves, Ellie, small moves”, und erst einmal eine neue Wohnung suchen. In Frankfurt. Wiesbaden gefiel mir eh nie, viel zu kleine Stadt mit viel zu großem Ego. Ungesunde Mixtur.
Man kann jetzt sagen daß Frankfurt ja auch nicht besser wäre, so Ego-mäßig. Stimmt schon, dafür ist hier aber mehr Platz für eben dieses. Das macht es erträglicher.
Ich also so schnell es ging umgezogen, danach endlich wieder (ausschließlich) mit dem Rad zur Arbeit, 15 Minuten Fahrt, herrlich! Alles schien wieder gut. Bis es dann aber so nach und nach richtig schlimm wurde…
Wie gesagt, das Gemecker und Getobe kam immer wieder. Ich war in der Hinsicht noch relativ gut dran, denn dadurch daß ich der einzige Webentwickler in der Firma war und sich wirklich niemand mit dem Shyce auskannte dort (mich eingeschlossen… kleiner Scherz), hatte ich schon über weite Strecken meine Ruhe. Aber Kollegen berichteten regelmäßig von den Eskapaden des kleinen Diktators, so daß auch ich permanent dieses Gefühl im Nacken hatte, daß jeden Moment wieder die Hölle losbrechen könnte. Ständig der verstohlene Blick zum Telefon, gleich ruft der Alte wieder an, gleich gibt’s wieder Wasserbombenalarm. Aber das muss das Boot abkönnen, richtig?
Falsch. Denn es kam ja noch dicker. Die Personalfluktuation (ich liebe die Deutsche Sprache) war eh schon immer recht hoch gewesen in dem Betrieb, aber letztes Jahr haben unglaublich viele Kollegen gekündigt. Kann man ja verstehen.
Leider schienen aber die Vorgesetzten sich dabei nichts groß zu denken. Es kamen kaum Neubewerber zum Test vorbei, und die, die kamen, verdrückten sich meistens schon nach ein paar Tagen wieder, teilweise mit Nervenzusammenbrüchen, Thanks to “The Man”. Anstatt daß man sich zumindest für die Probezeit der potenziellen Sklaven ein wenig zusammenreißen würde, um, wie es auch bei mir Anfangs noch der Fall gewesen war, ein wenig heile Welt vorzugaukeln, wurden die Zügel richtig hart gespannt. Denn man kann ja eh grundsätzlich niemandem trauen, und schon garnicht neuen Mitarbeitern. Das sind ja eh alles nur faule Schmarotzer, denen muss man gleich mal zeigen wo es lang geht…
*seufz*
Seltsamerweise schafften sie es dann trotzdem ab und zu, jemanden zu halten. Aber es waren einfach zu wenige. Das Mehr an Arbeit wurde dann einfach auf die verbliebenen Dummen umverteilt. So daß auch ich bald zwei Jobs gleichzeitig machen durfte. Was mir nicht so recht gut bekam, so rein gesundheitlich…
Ich habe mir das noch ein paar Monate gefallen lassen, habe mich eh nie beschwert. I can take a beating, you know.
Ich bin verdammt sensibel und komme nicht gut auf Stress klar, trotzdem bin ich verdammt anpassungsfähig. Was mir aber eben auch ab und zu zum Verhängnis wird, denn es ist oft garnicht so gut, sich zu sehr an etwas zu gewöhnen. Irgendwann habe ich halt überhaupt nicht mehr mitbekommen, wie beschissen es mir eigentlich ging. Da war immer diese Hoffnung, daß es doch sicher bald wieder besser werden würde. Immer diese Unsicherheit, die einem einredete, daß man sich einfach nur zusammenreißen müsse, daß man zu weich sei, und schließlich auch unter Anderem hier sei, um abzuhärten. Aber das funktioniert auch nur so lange…
Letztendlich kam dann zum Glück doch noch die Erkenntnis, daß sich EINIGES ändern müsste, damit ich in dem Laden bleiben würde. Ich hatte mir noch vorgenommen gehabt, ein Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um die vielen Kritikpunkte anzusprechen, die mir sauer aufstießen. Und vielleicht auch mal eine Gehaltserhöhung zu fordern, nach zweieinhalb Jahren im Betrieb…
Dazu kam es jedoch nicht, denn zwei einschneidende Erlebnisse, plus etliche Gespräche mit Kollegen, machten mir klar, daß Reden hier nichts bringen würde. Diese Erkenntnis war wie ein Schlag vor den Kopf, denn auf einmal gab es keine Ausflüchte mehr, kein Schönreden, keine Hoffnung. Ohne Ausweg fühlte ich mich an die Wand gestellt, völlig alleine, ohne Ausweg. Und es hat mich ziemlich krank gemacht.
Wenn man krank wird, dann sucht man die Ursache und bekämpft sie, richtig? Richtig. Leider kann diese aber ganz schön hartnäckig sein, weshalb ich momentan noch nicht so recht weiß, wie es weiter geht. Viel Warterei, zu viel, mir sind ein wenig die Hände gebunden. Ein Anwalt kümmert sich um die Angelegenheit, or does he? Zweifel, vor Allem an mir selbst, lassen mich vollkommen unsicher in der Dunkelheit herumtappsen. Es fällt schwer Vertrauen zu haben, wenn man nicht einmal sich selbst vertrauen mag…
Aber es wird alles gut, oder? Auch hier habe ich Zweifel, aber prinzipiell bin ich doch immer noch zuversichtlich. Irgendwo, ganz tief drinnen. Da scheint dann doch noch ein Licht, ganz zart und schwach. Eher glimmt es nur, müsste man sagen. Ich will auch nicht aufgeben, bin aber ziemlich am Ende meiner Kräfte. Auch weiß ich nicht, wieviele Federn ich diesmal wieder lassen werde. Auch finanziell, das hier kann mich ganz schön ruinieren.
Dennoch, auch wenn ich momentan nicht viel machen kann, außer mich abzulenken mit Schreiben, Basteln, Reden, Zocken… Ich habe nicht vor aufzugeben. I’m a stick it to “The Man”!
I’ll keep you posted…
[UPDATE]
Da kommt auch schon die Androhung der Schadensersatzforderungsklage rein… natürlich lächerlich hohe Summe… wenn denen wirklich solch ein Schaden entstehen sollte, weil ein (EIN!) Mitarbeiter mal für eine längere Zeit erkrankt ist, dann sollten die sich lieber mal über ganz andere Dinge ERNSTHAFTE Gedanken machen… aber das wundert mich bei dem Deppenverein alles überhaupt nicht. Für die ist Nachhaltigkeit eh ein Fremdwort.
Und mir ist letztens schon klar geworden: Alles was die kennen ist Geld. Belohnung funktioniert über Geld, und zwar ausschließlich, Bestrafung ebenso. Die können mir also absolut garnichts antun, außer mir Geldstrafen androhen. Na und? Meine Gesundheit ist mir das allemal Wert, ich scheiß auf euer dämliches Geld! Und ich scheiß auf euch, ihr bestätigt mir mit all eurem Kasperkram nur, daß meine Kündigung absolut rechtens war!
Wer nun am Ende offiziell Recht bekommt ist eigentlich zweitrangig. Meinen Stolz, meine Würde, meine Kreativität und mein Leben nehmt ihr mir nicht! Ihr könnt mir garnichts. Denn ihr könnt garnichts. Überhaupt GARNICHTS!
All you do is fuel my fire.
[UPDATE]
Pissnelkenverein.
[UPDATE]
Ich hasse Anwälte! Man glaubt es kaum, aber das sind teilweise noch größere Pissnelken als die Pissnelken, vor denen sie einen eigentlich retten sollen…
[UPDATE]
Naja, vielleicht sind doch nicht alle Anwälte so schlimm… man lässt mit sich reden, hört hört! Bin halt momentan mit den Emotionen oft ein wenig überfordert…
[UPDATE]
Heut’ nochmal ‘ne neue Schadensersatzdrohung reinbekommen, die sind seriously nicht ganz dicht in der Birne, die Vögel! Also das ist jetzt garnicht mal so sehr meine persönliche Meinung, sondern mehr so Fakt…
Das Schlimme ist daß ich mich garnicht wirklich wehren kann … hab’ halt nichts in der Hand … und die checken nicht, daß mir der finanzielle Schaden eigentlich vorbei geht, die ganze Sache allerdings deutliche Spuren an meiner Seele hinterlässt … aber was wissen die schon von “Seele”…




Das hört sich wirklich über an. Ich wünsch dir alles Gute für deine Zukunft und vor allem Kraft Gesundheit. Wenn einen ein Job soweit runter zieht das der Körper und die Psyche darunter leiden, dann ist das grauenvoll.
Auch wenn ich nichts für dich tun kann außer diese paar Zeilen zu hinterlassen, so ist es mir doch eine Herzensangelegenheit dir mitzuteilen dass ich mit dir fühle.
Hau rein und bleib stark!
@honki: Danke, Mann! Das tut echt gut, ganz ehrlich! Weiß das zu schätzen und bin mir sicher es wird helfen.